Strahlentherapie

Strahlentherapie (Radiotherapie) – etablierter Bestandteil der onkologischen Therapie

Vielversprechende Fortschritte in der Technik der Radiotherapie sowie in der Molekularbiologie eröffnen ein neues Therapiespektrum für Tumorpatienten und lassen auf eine Steigerung der Heilungschance durch eine verbesserte Lokalkontrolle hoffen. Im Hinblick auf die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre in der Therapie onkologischer Erkrankungen sind die Erwartungen an die zukünftigen Möglichkeiten groß.

Wird es tatsächlich möglich sein, jeden Patienten nach (s)einem individuellem Muster zu behandeln?

Die moderne Tumortherapie wird im Wesentlichen von vier Säulen getragen: der Chirurgie, der Strahlentherapie, der Chemotherapie bzw. Targeted Therapies und der supportiven Therapie. Dabei stehen neue, innovative Therapieverfahren im Mittelpunkt des Interesses. Multimodale Therapiekonzepte scheinen die Therapie der Wahl zu sein. Unabdingbar sind dabei das Zusammenspiel und der Datenaustausch der beteiligten Fachdisziplinen.

2/3 aller onkologischen Patienten erhalten im Verlaufe ihrer Erkrankung eine Bestrahlung. Auch wenn man Strahlen nicht sehen kann, ihre Effekte sind mittels exakter physikalischer Methoden messbar. Es lässt sich genau berechnen, welche Strahlendosis in welcher Körperregion aufgenommen wird. Mit Hilfe der Strahlentherapie kann man den Krebs gezielt und effektiv bekämpfen. Durch die Etablierung der computergestützten, dreidimensionalen Bestrahlungsplanung sowie der Einführung neuer Techniken der Hochpräzisionsbestrahlung (IMRT, IGRT, Arc-Verfahren etc.), kann der Tumor gezielter und damit mit höheren bzw. effektiveren Dosen bestrahlt werden, ohne das Risiko für akute und späte Nebenwirkungen zu erhöhen.

Eine Strahlentherapie wird in vielen Fällen in Kombination mit einer systemischen Therapie (Chemotherapie, Antikörpertherapie, antihormonellen Therapie) eingesetzt. Es gibt aber auch andere Einsatzmöglichkeiten wie im Vorfeld einer Operation (zur Tumorverkleinerung), nach einer Operation (zur Verhinderung eines Lokalrezidives oder bei Resttumor) oder als alleinige Therapiemethode.


Kombination mit Chemotherapie

Zahlreiche klinische Daten aus randomisierten Studien und Metaanalysen belegen bei vielen Tumorentitäten (u.a. Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich, Bronchialkarzinom, Ösophaguskarzinom, Magenkarzinom, Rektumkarzinom, Analkanalkarzinom, Zervixkarzinom, Blasenkarzinom) nicht nur die Verbesserung der lokalen Tumorkontrollraten, sondern auch eine signifikante Verbesserung der Überlebensraten (Dunst et al 2001; Browman et al 2001; Bernier et al 2004) durch die Kombination von Strahlentherapie und systemischer Therapie.


Kombination mit neuen zielgerichteten Medikamenten

Durch Aktivierung von Signalkaskaden spielen neue zielgerichtete Medikamente eine wichtige Rolle bei der Radiosensibilität von Tumor- und Normalgewebe. Durch die Erforschung solcher Signalkaskaden ergeben sich neue Dimensionen, die Radiotherapie mit „molecular targeting“ zu kombinieren. Zahlreiche neue molekulare Therapieansätze sind aus strahlenbiologischer Sicht und auf der Basis von In-vitro-Befunden für eine Kombination mit der Radiotherapie geeignet.

Beispiele dafür sind:

  • EGFR-(Epidermal Growth Factor Receptor-)Antagonisten (z.B.: Cetuximab)
  • VEGF-(Vascular Endothelial Growth Factor-)Antagonisten (z.B.: Bevacizumab)
  • Thyrosinkinaseinhibitoren (z.B.: Gefitinib, Erlotinib)
  • Apoptose-induzierende Substanzen (z.B.: „tumor necrosis factor-related apoptosis-inducing ligand“, TRAIL)
  • Anti-CD20-Antikörper, z.B. Rituximab (gilt als Vorreiter der Immuntherapie und damit der gezielten Krebstherapie)

 


Individuell angepasste Strahlentherapie

Es gibt viele verschiedene Arten und Möglichkeiten der Bestrahlung. Jede Behandlung wird maßgeschneidert an den jeweiligen Patienten und seine Erkrankung angepasst. Unsere moderne Technik und die Erfahrung unserer Ärzte erlauben eine effektive, individuelle und schonende Behandlung.


Symptome können gelindert werden

Ist eine Heilung der Tumorerkrankung nicht möglich, so können wir durch eine Strahlentherapie eine Linderung tumorbedingter Symptome und manchmal sogar eine Lebensverlängerung erreichen. Vor allem Schmerzen sprechen besonders gut auf eine Bestrahlung an. Auch Atemnot, Schluckbeschwerden, Lähmungen, Harnstauung, Lymphstau oder Blutungen können günstig beeinflusst werden.


Nicht nur bei Krebserkrankungen

Strahlentherapeutische Verfahren werden nicht nur zur Krebstherapie eingesetzt, sondern auch bei gutartigen Erkrankungen, wie degenerativen Gelenkerkrankungen, Fersensporn oder Tennisellenbogen.


Möglichkeit der stationären Behandlung

Unser Ziel ist es möglichst während des gesamten Strahlentherapiezeitraums eine ambulante Therapie durchzuführen und lange Krankenhausaufenthalt zu vermeiden. Für jene Patienten, bei denen aufgrund ihrer Erkrankung eine ambulante Bestrahlung nicht erfolgen kann, besteht in Kooperation mit dem Krankenhaus Agatharied die Möglichkeit einer Strahlentherapie unter stationären Bedingungen.